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FLZ Nr. 171 Mittwoch, 27. Juli 2005

Giuseppe Verdis große Festoper "Aida" wurde zweimal auf Schloss Dennenlohe aufgeführt

Musikdramatik samt Triumph-Elefanten

Eine Produktion mit zwei Versionen - Naturkulisse kontra besserer Akustik in Reithalle
DENNENLOHE – Die prachtvoll geschminkten Elefanten mit den großen Augen genossen sichtlich ihren Auftritt im großen Triumphmarsch. Danach winkte ihnen ein Feldspaziergang mit einer kleinen Belohnung. Schloss Dennenlohe aber hatte mit Giuseppe Verdis „Aida“ die Bestätigung als Aufführungsort für große Oper. Wirkungsvolle Dramatik, guter orchestraler Standard und beachtliche Gesangssolisten mit Chor überzeugten gleich zweimal – am Sonntag in der Schlossarena und am Montag in der historischen Reithalle.


Gewaltig in der historischen Reithalle des Dennenloher Schlosses führten
zwei "äthiopische Kriegselefanten" den Triumphzug der Oper "Aida" an
Gigantische Pyramiden mit turmhoher Sphinx hätte die Basler Agentur hinter der „Stagione d’Opera Italiana“ liefern können – aber die Dimensionen in Dennenlohe waren maßstabgerecht angepasst, die Sphingen rechts und links verdeckten gerade die Verstärker, in der Mitte prangte das goldene Standbild des Gottes Anubis, der die Toten in die Unterwelt geleitete. Aber die Naturkulisse ließ ägyptische Teiche mit Papyrus statt Schilf vermuten, mit dem besonderen Zauber, dass sich würdige Hohepriester in weißen Gewändern und hohen, goldenen Hauben in den Aufführungspausen meditierend an den Gestaden niederließen.

Auch das Orchester im Pavillon mit Profis aus Debreczin war auf kleinere Dimensionen zugeschnitten – das Kammerorchester bei der „Gans von Kairo“ vergangene Woche enthielt weit mehr Streicher – doch wusste Dirigent Leslaw Salacki aus Warschau aus dem Holz- und Blechbläserchor starke Effekte und zärtlichste Melodien aus Oboe und Englisch Horn hervorzulocken. Umgangssprache war Deutsch.

Faszinierend war das Sängerteam in Prachtkostümen, die jenen der Verdi-Uraufführung in nichts nachstanden. Wem die Regie und das Dekor zu verdanken sind, versinkt im Dunkel der Geschichte, denn die Tourneebühne spielt seit einigen Jahren in wechselnder Besetzung „Nabucco“, „La Traviata“, „Aida“, „Carmen“ und – als „Mozart Oper Wien“ – die „Zauberflöte“. Wer hier mitsang, beherrschte sein Fach bei Sturm und Wetter und in jeder akustischen Räumlichkeit. Wie der junge, in Kattowitz ausgebildete Heldentenor Maciej Komandera, der den ungestümen Feldherrn Radames brillant verkörperte, sich aber in den Liebesszenen mehr der Führung seiner Partnerin überließ. Wie Tiziana Corti, die sich als äthiopische Fürstentochter Aida im selbst entworfenen Leopardengewand das dramatische Sopranfach technisch „erobert“ hat – nach einer internationalen Karriere unter ihrem deutschen Geburtsnamen. Und wie die großartige Prinzessin Amneris, Roberta Mattelli aus Perugia, die mit gewaltiger, leicht metallischer Stimme die Rivalität zwischen den beiden Frauen mit dramatischem Feuer erfüllte, die als verschmähte Liebende ihr ganzes Herzblut in den Zwiespalt zwischen Wut und Zärtlichkeit schüttete und am Schluss durch das Friedensgebet über der Gruft der Liebenden erst richtig die Tränen in die Augen trieb. Und der Himmel weinte die ersten Regentropfen erst in dieser Szene.


"Berausche mich, mir bebt das Herz": Sehnsüchtig erwartet Pharaonentochter
Amneris (Roberta Mattelli, Mezzosopran) die Rückkehr des siegreichen
Feldherrn Radames, während ihr Sklavinnen Blumen ins Haar flechten
Wer das Glück hatte, am Montag die Aufführung in der Reithalle zu besuchen, konnte – ganz ohne akustische Verstärkung – ein volles „Klangbad“ mit allen musikalischen Nuancen unter Beibehaltung von nahezu allem szenischen Aufwand auf der 14 Meter breiten und über fünf Meter tiefen Bühne genießen. Auch das kleine Ballett fehlte nicht. Keine Spur von Anstrengung im glänzenden Bariton der stolzen Geisel Amonasro (Alfio Grasso), dem Subbass des Pharaos (Giorgio Goghi) und der drohenden Posaunenstimme des Priesters Ramfis (Andrzej Malinowski).

Der lyrische Tenor des Kärntners Siegfried Verhovnig, letztjährigen Taminos, kam jetzt als lebhafter Bote zur Geltung. Wie ein Kathedralchor erscholl nun der mächtige Opernchor aus Budapest als Hohepriester und Isis-Priesterinnen und unterstrich den quasi mythischen Charakter des Werkes mit seiner rituellen Heiligung des „vincitor“, Siegers und dem Umschwung zum priesterlichen Bann des „traditor“, Verräters. Ein urmythisches, ganz der großen Aufführungstradition verpflichtetes Erlebnis für insgesamt knapp 500 Gäste – und höhere Weihe von Dennenlohe als Festspielort für große Oper. Mit einem Hauch Glyndebourne. Denn auch sämtliche Picknick-Körbe fanden ihre Abnehmer bei den Genießern von Kultur, Kulinarik und Natur.
Ingo Bathow

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Musikdramatik samt Triumph-Elefanten von Ingo Bathow